Geschichte

Die ersten Schritte

Die ersten Schritte zum ATSV liegen uns als Brief oder Aushang vor. Die neuen Espelkamper Bürger drängte es, bei aller Tagesmühe Sport zu treiben. Wie unten zu lesen ist, gehörte auch damals schon ein Antrag dazu. Ein Antrag auf Beihilfe, das ist bis heute so geblieben. Das Datum dieses Briefes lautet 14.9.1950

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Allgemeiner Turn- und Sportverein Espelkamp-Mittwald, den 14.9.1950
Espelkamp-Mittwald
( in Gründung)

Aus den Reihen der Anhänger des Sportes ist der Wunsch laut
geworden, Möglichkeiten zu schaffen, Sport zu betreiben.
Das gleiche Ziel hat im Allgemeininteresse die Schulver-
waltung und die Lehrerschaft: Als erstes Ziel ist die
Schaffung geeigneter Sportanlagen ins Auge gefaßt. Für
einen Antrag auf Gewährung entsprechender Beihilfen aus Mit-
teln der Regierung und des Landes muß ein Sportverein An-
tragsteller sein. Die Gründung eines Vereines ist daher
dringend erforderlich.
Ihr Verständnis und Interesse vorausgesetzt, werden Sie
freundlich gebeten,

am Montag, dem 18.September 1950, 19.30 Uhr,
in der öffentlichen Volksschule Espelkamp-Mittwald,
Marienburger Straße,

zur Gründungsversammlung zu erscheinen.

Als vorbereitender Ausschuß:
Gez. Pürsten gez. Schmidt gez. Trüller

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Ergänzend hierzu möchte ich aus dem Buch über Espelkamp von Frau Dr. Ruby Simon zitieren. Auf den Seiten 179 bis 194 hat sie über „Schulische und sportliche Anfänge“ geschrieben.

(Seite 188) Auf dem Stundenplan der Schulen stand zwar Leibesübungen als Unterrichtsfach, aber es fehlte an Sportstätten und -geräten. Um die dafür notwendigen Zuschüsse beantragen zu können, mußte ein Sportverein gegründet werden.
So erging am 24. September 1949 ein Aufruf zur Gründung eines Allgemeinen Turn- und Sportvereins. Kurt Herzog, Turnwart der ersten Jahre im damals neu gegründeten ATSV, hat die Namen der 24 Männer aufgezeichnet, die sich in die Anwesenheitsliste eintrugen und geschlossen dem Verein beitraten:
Paul Thie, Adolf Hetschold, Rudolf Lais, Hermann Thuleweit, Otto Wrobel, Willy Brandt, Hermann Hesse, Kurt Herzog, August Friedrich von Goetz, Wilhelm Kern, Günther Daehne, Paul Neuwirth, Albert Pürsten, Horst Reichert, Hans – Joachim Roesicke, Horst Schmidt, Leonhard Schmidt, Siegfried Schmidt, Max Schulz, Hans Schürmann, Heinrich Trüller, Rudolf Walther, August Wiese, Ulrich Zaske. Viele dieser Namen klingen vertraut, den einer Frau sucht man allerdings vergeblich.
Wie bei den Schulen stand auch bei dieser Gründung der Mangel Pate. „Es fehlte zunächst an allem, an Übungsstätten, am Sportplatz, an einer Turnhalle, am Schwimmbad, an jeglichen Geräten und Bällen. Um Beihilfen von der Gemeinde und vom Land zu erhalten, mußte der Verein den Bedarf nachweisen, und so wurde Sport betrieben, gespielt, geturnt, geschwommen in Räumen und Stätten, die man heute keinem zumuten könnte“. Erinnert sich Rektor Herzog in seiner Festansprache zum zehnjährigen Bestehen des ATSV.

Auch der langjährige Turnwart Dr. Richard Fritsch blickt zurück: “ Vom sportlichen Eifer seiner Mitglieder getragen, nahm der Verein einen raschen Aufschwung. Von vornherein war man bestrebt, möglichst viele Sportarten zu betreiben. So wurden neben Turnen und Schwimmen auch Leichtathletik, Faustball, Tischtennis aufgenommen. Bald wurden eine Schachgruppe gegründet und eine Fußballabteilung ins Leben gerufen.
Bereits 1951 wurde ein Werbesportfest veranstaltet, auf dem zahlreiche Sportarten vorgeführt wurden. Die Turnerinnen zeigten Gymnastik und Keulenschwingen, die Turner Kastenspringen, die Jugendturner ein Bodenturnen. Außerdem standen Schwimmen, Hand- und Faustball und Tischtennisspiele auf dem Programm. 1952 fand ein Sportfest auf dem großen Platz des Ludwig-Steil-Hofs statt.“
Die Schulen behalfen sich so gut sie konnten. Im waldreichen und noch verkehrsarmen Espelkamp hatten sie mit den Waldlaufmöglichkeiten den Schulen der Umgebung etwas voraus und konnten zweimal kreisoffene Waldlaufwettkämpfe ausrichten, wie Rektor Herzog berichtet. Er erinnert sich auch an ein Rundenspiel im Faustball, bei dem die Espelkamper gegen eine starke Mannschaft aus Bünde verloren, aber Kontakt aufnahmen zu dem späteren langjährigen Vorsitzenden des ATSV, Günter Eggersmann, der bald darauf von Bünde nach Espelkamp übersiedelte.
In den Wintermonaten habe man, so Rektor Herzog, in einer leeren Halle am Berliner Ring geturnt. „Sie war nur über fast unwegsames Gelände zu erreichen, hatte keine dichten Fenster, keine Heizung, unzureichende Beleuchtung und einen immer staubigen Zementfußboden.“ Sie hatte aber wenigstens ein Dach über dem Kopf zu bieten, bis 1955 aus ihr die Turnhalle an der Waldschule entstand.
Nachmittags und abends stand sie den Turnern und Turnerinnen des ATSV zur Verfügung. Noch im gleichen Jahr fanden Turner und Turnerinnen im Waldstadion eine gute Übungsstätte“ , heißt es in den Aufzeichnungen von Dr. Fritsch.
Es wurde vom ATSV in Selbsthilfe provisorisch ausgebaut und genutzt, bis es nach den Richtlinien der Kölner Sporthochschule angelegt und endgültig ausgebaut wurde.

Entnommen aus: „Espelkamp Geschichte lebendig 1945 – 1959.
Es begann in Hallen und Baracken“
Mit freundlicher Genehmigung von Frau Dr. Ruby Simon

Das geschah auch 1950 in Espelkamp!

4. Januar
Da die Straßen in Espelkamp-Mittwald bis jetzt nur mit Nummern benannt werden, beschließt die Gemeindevertretung die Einführung von Straßennamen.

Im Frühjahr wird der Siedlerbund gegründet.

16. März
Eine öffentliche Feuerwehr wird eingerichtet.

20. April
Muna-Halle wird unter Leitung von Kurt Herzog Schulhaus. Aus der alten L.S.H. 26 wird die sogenannte Teichschule.

5. Mai
Baugenehmigung für die ersten Siedlungshäuser in der „Kolonie“

Im Juli
Die Polizeidienststelle Espelkamp-Mittwald wird eingerichtet.

18. September
Die Gründungsversammlung des „Allgemeinen Turn- und Sportvereins Espelkamp“ ( ATSV Espelkamp ) findet statt.

Im Oktober
Die Bundesbahn richtet den „Haltepunkt Espelkamp-Mittwald“ ein. Am 9.1.1951 wird ein Güterwagen als Warteraum an dem Haltepunkt aufgestellt.

Ende des Jahres 1950
Eine Zwischenbilanz der Aufbaugemeinschaft Espelkamp

Fertiggestellte Wohnungen 175
Im Rohbau fertiggestellte Wohnungen 123
Im Bau 202
Arbeitsplätze 1170
Zahl der Betriebe 17 Industriebetriebe
12 Handwerksbetriebe
11 Einzelhandelsgeschäfte
aus dem Espelkampbuch “Gemeinsam auf neuen Wegen“

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